Bioshock
Testbericht von Harald
Entwickler: 2K Games
Herausgeber: Feral
System: Mac OS X*
Erschienen: Herbst 2009 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Action
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 35-40 ¤
Demo: Ja, download now!
Freigabe: ab 18 Jahren, Infos zur USK
Anspruch und Wirklichkeit gehen sehr oft andere Wege. Diese bittere Wahrheit musste Andrew Ryan erkennen, der unserer Welt einen Platz schenken wollte, an dem sich kreative Geister unabhängig vom Klerus und sämtlichen weltlichen Einflüssen gegenseitig befruchten konnten. Aber auch Bioshocks Erschaffer, Ken Levine, musste sein ambitioniertes Werk an die Zwänge des Marktes anpassen und dabei Vision für Vision begraben. So wurde aus der anfänglichen Idee, eine völlig neue Genrekreuzung aus Adventure, Rollenspiel und Shooter zu erschaffen, am Ende nur ein simpler Ego-Shooter. Aber was für einer!
Von all diesen Ereignissen weiß Jack nichts, als er viele Jahre später als einziger einen Flugzeugabsturz überlebt und inmitten des Atlantiks auf einer winzigen Insel strandet, deren Zentrum von einem Leuchtturm geschmückt wird. Doch statt einer Rettung erwartet den Mann und uns eine Überraschung und eines der faszinierendsten Abenteuer der Spielgeschichte.
Ich hatte einen Traum
Sind die Beschränkungen und Anforderungen, denen wir durch unsere Gesellschaft und uns selbst ausgesetzt sind, tatsächlich ein Hindernis, oder beflügeln sie sogar unsere Kreativität und Schaffenskraft? Denkt man beispielsweise an die beeindruckenden Malereien von George Grosz, welche alle unter dem Einfluss des Ersten Weltkriegs entstanden sind, drängt sich schon der Verdacht auf, das primitiv weltliche Einflüsse Kreativität sogar fördern. Andrew Ryan indes glaubt an den Freigeist und träumt von einer Gesellschaftsform, welche die Genies dieser Welt, die Wissenschaftler, Künstler und Wirtschaftsvisionäre fördert und ihnen Mittel und Raum bietet, ihr Gedankengut in die Tat umzusetzen. Und die Vision einer eigenen Welt wird Realität inmitten des Atlantiks. Aus einer Utopie wird Rapture, eine gigantische Unterwasserstadt dessen Ruf Tausende folgten. Doch der Mensch ist sich selbst der größte Feind und so vergeht der Traum und macht einem furchtbaren Albtraum Platz.Von all diesen Ereignissen weiß Jack nichts, als er viele Jahre später als einziger einen Flugzeugabsturz überlebt und inmitten des Atlantiks auf einer winzigen Insel strandet, deren Zentrum von einem Leuchtturm geschmückt wird. Doch statt einer Rettung erwartet den Mann und uns eine Überraschung und eines der faszinierendsten Abenteuer der Spielgeschichte.
Willkommen in Rapture
Eine wirkliche Wahl hat Jack nicht, als er die Tauchkugel besteigt und eine Fahrt in die Tiefe durch eine atemberaubende Häuserschlucht macht. Die Leuchtreklame schimmert unwirklich, während ein Wal in ruhigen Bewegungen zwischen den Gebäuden taucht. Und inmitten dieser seltsamen und gleichzeitig anziehenden Bilder werden wir Zeuge eines Gesprächs zweier Männer, die uns bewusst machen, dass unsere Ankunft beobachtet wird und das wir nicht alleine sind. Doch wenige Momente später wird einer der beiden vor unseren Augen brutal ermordet. Von wem? Erkennen können wir die seltsam wankende Gestalt nur schwer, aber das Wesen hat uns bemerkt. Wütende Schläge versuchen die Panzerung unserer Tauchkugel zu beschädigen, doch ohne Erfolg. Wieder knackt das Funkgerät und Atlas, der offensichtlich überlebende der beiden Männer erklärt uns, dass wir mit vielen solcher Attacken rechnen müssen. So unmittelbar, so direkt uns diese Gefahr auch in die Welt von Rapture zieht, so steht sie doch in krassem Gegensatz zu dem, was wir sehen. Denn die Stadt entpuppt sich als ein architektonisches Kleinod der Art déco. Hier ist die Zeit stehen geblieben und umschmeichelt das Auge mit golden verzierten Säulen, dicken Teppichen und mit kunstvoll gestalteten Reklametafeln an der Wand. Was den Designern hier gelungen ist, ist fast erschreckend schön und ein Kunstwerk für sich. Die Lichtreflektionen und die melancholische Musik der 40‘er tun ihr übriges, um uns in diese Welt versinken zu lassen. Und doch reißt uns die brutale Realität in das Spiel zurück. Denn überall lauern uns maskierte Menschen auf, Frauen weinen und singen vor einem leeren Kinderwagen, nur um im nächsten Augenblick zur tödlichen Gefahr zu werden und ein Schönheitschirurg verstümmelt die Gesichter der Bewohner nach den Vorlagen von Picassos Gemälden. Gerade dieser Kontrast zwischen zur Unmenschlichkeit gereiften Freidenkens und der verblassenden Schönheit einer Vision schaffen ein Wechselbad der Gefühle, wie das bisher in Computerspielen selten der Fall war.Du wirst große Taten vollbringen
Eines wird uns bereits am Anfang klar, will Jack überleben, muss er sich die Regeln der Bewohner zu eigen machen. Und die Welt von Rapture dreht sich um einen Stoff namens Adam. Der ermöglicht nicht nur genetische Veränderungen, sondern bringt auch den Wahnsinn mit sich. Und er schafft eigenartige Symbiosen. Beispielsweise zapfen kleine Mädchen, genannt Little Sisters, aus Leichen das gefährliche Mittel, um einen Teil davon den schwerfälligen Gestalten in Taucheranzügen, genannt Big Daddys, abzugeben. Diese beschützen dafür die Mädchen vor den lauernden Feinden und im Zweifel auch vor Jack. Denn auch der braucht das Mittel, um sich genetisch weiterzuentwickeln und aktive wie passive Adam-Fähigkeiten wie Stromstöße und Feuerkugeln einzusetzen. Wie wir an diese Fähigkeiten kommen? Hier zeigt sich eine der größten Schwächen der Geschichte. Schon am Anfang haut sich Jack ohne ersichtlichen Grund eine monströse Spritze in den Arm, um fortan ebenfalls von den Möglichkeiten des Stoffes zu profitieren. Ein sicherlich notwendiges Unterfangen. Aber hier hätte ich mir eine bessere Erklärung der Geschehnisse gewünscht. Überhaupt suggeriert uns das Spiel sehr oft Wahlfreiheit, wo keine oder zumindest nur mit großen Nachteilen ist. Schon die Strecke wird uns vorgegeben. Abweichungen oder Alternativrouten gibt es nur wenige und wenn, so sind diese meist nachteilig. Auch haben wir immer die Möglichkeit, Automaten zu hacken, um günstiger an Munition oder Verbandskästen zu kommen. Allerdings sind die Rabatte so gering, dass sich das Risiko bei Versagen Lebensenergie einzubüßen, nicht lohnt. Auch verspricht uns das Spiel, Gegner auf verschiedene Art aus dem Weg räumen zu können. Das funktioniert auch prima. Beispielsweise hetzen wir die Bewohner gegeneinander auf, um dann in Ruhe auf den Überlebenden zu warten. Am effektivsten und schnellsten ist jedoch immer noch der gerade Weg der direkten Konfrontation. Hier hätten sich die Entwickler um mehr Ausgleich der verschiedenen Wege bemühen müssen, die mich als Spieler für meinen Einfallsreichtum belohnen, statt zu bestrafen. Einzig bei der Wahl, den Little Sisters ihr Adam abzunehmen oder ihnen sogar zu helfen, verhält sich das Spiel neutral und liefert zwei gleichwertige Endsequenzen.Rapture lebt
Auch wenn Rapture dem Verfall geweiht scheint, so ist die Stadt keinesfalls tot. Vielmehr verstricken uns die Hauptcharaktere und überall verstreute Tonbandaufnahmen der Bewohner in die Geschichte, ohne allerdings die vielen Fragen und offenen Handlungsketten wirklich zu Ende zu führen. Dass wir dennoch gerne immer wieder die Reise in die Unterwasserstadt antreten, verdanken wir der hervorragenden deutschen Vertonung. Nicht nur die Soundeffekte und der grandiose Soundtrack sind einzigartig, auch die genialen Sprecher und Texte lassen uns gerne den Handlungsfragmenten folgen und Stein für Stein dieser rätselhaften Geschichte sammeln. So belohnen die Entwickler unseren Forscherdrang, denn wer die vielen umherliegenden Tonbänder verpasst, dem entgehen auch wichtige Handlungsfragmente. Doch auch wer alle Tonbänder findet, wird sehr oft alleine gelassen. Bioshock hat auch gar nicht die Absicht, alle Fragen zu beantworten und überlässt vieles lieber der Fantasie des Spielers, ja mehr noch hangelt sich der Handlungsfaden an Aufgaben wie „Finde A“ oder „Erledige B“ entlang, verliert sich dabei oft in spielerischem Leerlauf und nimmt erst gegen Ende wieder Fahrt auf, um das Spiel in einem der beeindruckendsten Finale der Spielgeschichte zum Abschluss zu bringen.Die Qual der Wahl
Bioshock zeigt sich bei der Wahl der Waffen nicht knausrig und bietet von der Half-Life-typischen Brechstange bis zu Chemikalienwerfern allerlei Brauchbares. Dabei gibt es für jede Schusswaffe wie der Schrotflinte, Pistole, dem Maschinengewehr, dem Granatwerfer und der Armbrust drei Munitionsarten, deren Wirkung sichtbar voneinander abweichen. Das erlaubt kreativen Spielraum, dessen Ausgewogenheit allerdings nicht geglückt ist. Beispielsweise ist es mir tatsächlich gelungen, einen Endgegner mit dem Schraubenschlüssel zu besiegen! Und das im mittleren Schwierigkeitsgrad. Der Grund liegt in den Adam-Fähigkeiten mit denen wir den Gegner beispielsweise durch einen Stromschlag zeitweise bewegungsunfähig machen. Auch eignen sich Gasflaschen hervorragend als Wurfgeschosse. Möglich wird das durch das Telekinese-Plasmid. Und wenn wir dann hinterher mit dem Abfackel-Plasmid noch für ein schönes Feuerwerk sorgen, bleibt kein Auge trocken. Aber um es noch einmal zu verdeutlichen, all die vielen Möglichkeiten könnt ihr getrost vergessen, da der direkte Beschuss am leichtesten zum Ziel führt. Angst vor dem Tod braucht übrigens niemand zu haben da Wiederbelebungsstationen zu genüge existieren. Und das kann schon mal passieren, denn die Gegner reagieren überraschend agil, suchen die Deckung und versuchen uns zu umlaufen. Das Dumme dabei ist nur, dass es immer wieder die gleichen Gegner sind. Ein Splicer (vier verschiedene Arten existieren) ähnelt dem andern und ein Little Sister sieht wie das andere aus.Rohre verlegen
Auch in einer Welt wie Rapture regiert das Geld. Und Abnehmer gibt es einige. Überall stehen Automaten rum, die uns mehr Lebensenergie, neue Waffen, mehr Munition und Adam spendieren. Sofern wir entsprechend flüssig sind. Es geht aber auch anders. Denn sowohl diese Automaten, als auch Sicherheitsroboter und Geschütze lassen sich für unsere Zwecke nutzen, in dem in einem Minispiel unsere Gehirnzellen arbeiten lassen. Die Variante des altehrwürdigen Pipe Mania verlangt, Rohrteile unter Zeitdruck zu einer durchgehenden Leitung zu verlegen. Dabei decken wir die verborgenen Rohrwindungen auf und legen sie nach belieben in Reihe. Im Prinzip ist die Idee nicht verkehrt, allerdings wäre etwas mehr Abwechslung von den auf Dauer ermüdenden Spielchen wünschenswert gewesen, zumal die zufällig ausgelegten Rohre nicht immer eine Lösung des Puzzles garantieren.Wunderschön unnahbar
In Sachen Optik lässt uns Bioshock, dank Unreal 3 Engine, auch heute noch staunen. Die liebevoll gestaltete Stadt wirkt sehr detailliert und fällt nur selten durch matschige Texturen ab. Dabei lief das Spiel bei mir stabil und nur mit vereinzelten Rucklern. Allerdings verspricht die Opulenz mehr, als das Spiel halten kann. Denn von der gigantischen Stadt bleibt am Ende leider wenig übrig. Die Level wirken sehr oft stark konstruiert und geben nur wenig Freiraum. Das ich diese Einschränkung dennoch gerne hinnehme, schreibe ich der abwechslungsreichen Gestaltung der Umgebung zu. So werden einst verschwenderisch schöne Bauten abgelöst von ausgedehnten Parkanlagen oder einer eisigen Fischfabrik. Nur um uns dann in einer von riesigen mit Maschinen vollgepackten Halle mit neuen Gefahren herauszufordern. Und über allem schimmert dabei unübersehbar der Moder der Verrottung und des Verfalls. Vermischt mit dem Blut der vielen unglücklichen Menschen, die einer Vision folgen, und am Ende nur den Tod fanden.Fazit
Bioshock führt fort, was Ken Levine 1999 mit System Shock 2 begann. Ein faszinierendes Abenteuer, dessen Drama im Konflikt der technischen Evolution und dem unkontrollierbaren Genius menschlichen Erfindungsgeistes liegt. Und hier lauert auch gleichzeitig das Problem. Denn die ambitionierte Story übersteigt in seinem Umfang die Möglichkeiten, die ein geradliniger Ego-Shooter bietet. Wer das akzeptiert, bekommt dank der fantastischen Grafik und der bisher unerreichten deutschen Vertonung ein Spielerlebnis, das nicht nur auf dem Mac seinesgleichen sucht!
POSITIV
- stets fair
- greifbarer Wahnsinn
- dichte Atmosphäre
- greifbarer Wahnsinn
- dichte Atmosphäre
NEGATIV
- Gegner variieren zu wenig
- an manchen Stellen unnötig langatmig
- zu viele Fragen bleiben offen
- an manchen Stellen unnötig langatmig
- zu viele Fragen bleiben offen
89%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
sehr gut
sehr gut
(n.v.)
mittel
sehr gut
(n.v.)
mittel
| MINIMUM | STANDARD | OPTIMUM | TESTRECHNER |
| Intel Core 2 Duo 1,8 Ghz 1536 MB RAM 128 MB Grafikkarte (ab GeForce 9400M) 8 GB Festplatte Mac OS X 10.5.8 |
Intel Core 2 Duo 2,4 Ghz 2048 MB RAM 256 MB Grafikkarte Mac OS X 10.6.2 |
Intel Core 2 Duo 3,06 Ghz 4096 MB RAM 512 MB Grafikkarte Mac OS X 10.6.2 |
iMac 3,06 Ghz 4096 MB RAM GeForce 8800 GS Mac OS X 10.5.8 |
* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Bioshock" bereit.





