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Civilization IV - Colonization

Testbericht von Harald

Entwickler: Firaxis
Herausgeber: Aspyr
System: Mac OS X*
Erschienen: Frühjahr 2010 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Strategie / Wirtschaft
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 35-40 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 6 Jahren, Infos zur USK
Einzigartige Steuerung, innovatives und abwechslungsreiches Gameplay und ein hoher Suchfaktor. So hallte es 1994 durch die Presse. In der Tat blieb damals nicht viel Kritik an Sid Meier‘s Colonization hängen. So war es wenig verwunderlich, dass der Titel bald zum Liebling der Strategiefans wurde und ein Jahr später auch Mac-Fans begeisterte. Und diese Liebe hält bis heute an. Noch immer tauschen sich Fans in aller Welt aus und pflegen Erweiterungen des Oldies. 2008 erhörte man die unzähligen Bitten, und erschaffte mit Hilfe der Grafikengine von Civilization IV ein Remake. Ob das allerdings den hohen Erwartungen entsprechen kann oder der Zahn der Zeit den Spielmechanismen doch zu sehr zugesetzt hat, verraten wir in unserem Test.

Auf zu neuen alten Welten

Colonization wirkt vom ersten Augenblick an wie ein guter alter Bekannter. Dafür sorgt zum einen die Civilization IV Unterlage. Sie gibt in Sachen Grafik und in der Steuerung den Ton an. Das fühlt sich während des ganzen Spiels wie ein Addon an. Doch Colonization läuft nicht nur ohne das Hauptprogramm, sondern unterscheidet sich zudem auch in einigen wesentlichen Punkten. So suchen wir sowohl einen Forschungsbaum vergebens, noch können wir unsere Zivilisation durch die Jahrhunderte führen. Statt dessen regieren wir mit Neufrankreich, Neuholland, Neuspanien oder Neuengland die Kolonialmacht unserer Wahl in die Unabhängigkeit. Das Prinzip, und auch hier überrascht das Spiel wenig, entspricht dabei haarklein der Vorlage aus dem Jahr 1994. Wir besiedeln rundenweise entweder massives Festland oder karibische Inselflecken, gründen Städte, beuten die Natur aus und entwickeln Waren wie Stoffe oder Rum. Und genau hier zeigt sich der wesentliche Unterschied zu Civilization. Denn seinen Reiz zieht Colonization nach wie vor aus einer cleveren Wirtschaftsplanung und funktionierenden Abläufen. Wer hier darauf vertraut, das alles schon irgendwie laufen wird und nicht genau plant, hat schnell das Nachsehen.

Zu wenig vom Guten

Auch wenn unsere Kolonien in der neuen Heimat ihre eigenen Wege gehen, bleibt die Verbindung zum alten Europa doch zentrales Spielelement. Dafür sorgt bereits der König mit seinen ständigen Steuerforderungen. Im Gegenzug dürfen wir uns mit Handelswaren und Kolonisten eindecken, welche mittels Schiff in die neue Welt gebracht werden. Unser eigentliches Ziel ist es allerdings, die Verbindung zu kappen und unsere Unabhängigkeit zu erklären. Logisch, dass der verschmähte Herrscher nicht sehr erbaut über unsere Pläne ist und unsere Unabhängigkeit mit allen Mitteln zu verhindern versucht. Also heißt es, unsere Landesgrenzen durch viele Kolonien möglichst schnell auszudehnen und durch geschickten Handel so viel Geld anzuhäufen, dass wir uns den militärischen Auseinandersetzungen auch angemessen erwehren können. Leider sind unsere Karten recht eng bemessen und so prügeln wir uns immer wieder mit den Ureinwohnern um jedes Stück Land.

Während die Auseinandersetzungen recht langweilig und vorhersehbar ablaufen, zeigt Colonization beim Wirtschafts- und Aufbaupart seine wahre Stärke. Denn hier heißt es, ernten, verarbeiten und umverteilen der Waren und dabei die Aufgabengebiete der Bürger im Auge behalten. Denn erst durch die Spezialisierung der Bürger auf Berufe wie Fischer oder Tabakpflanzer kommt der Warenfluss ins Rollen. Daraus entstehen dann im Idealfall Produkte wie Stoffe, Zigarren oder Waffen, welche mittels Handelsschiffen oder Planwagen entweder in Europa, oder bei befreundeten Völkern verhökert werden. Für eine schnellere Warenproduktion sorgen dabei Berufsspezialisten, welche sich von der alten Heimat aus bei uns bewerben. Daraus entwickelt sich im Nu ein fast undurchschaubares Geflecht an Abläufen, welche das Spiel durch ein unzureichendes Tutorial nur ansatzweise zu vermitteln versteht. Allein das Zivilopädie-Lexikon kann da noch helfen. Kenner des Originals werden sich schnell zurechtfinden, während Einsteiger selbst im einfachsten Schwierigkeitsmodus einige Zeit brauchen, bis die Abläufe in Fleisch und Blut übergehen. Hier hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht, zumal viele Funktionen in Untermenüs versteckt sind. Selbst die Möglichkeit, Transporte zu automatisieren, sind in ihrem Ablauf viel zu umständlich. Möchten wir beispielsweise Zigarren von einer Siedlung zu einer anderen befördern, müssen wir erst im Übersichtsmenü den Städten die Aufgabe zuteilen, ihre Zigarren zu exportieren bzw. zu importieren. Anschließend legen wir eine Handelsroute fest. Ebenfalls ärgerlich: die Ergebnisse sind selten optimal, sodass wir gut beraten sind, alles von Hand zu erledigen.

Du Freund?

Ich deutete es bereits an, wie eng es auf den Karten von Colonization zugeht. Und das hat auch seinen guten Grund. Denn auch wenn der Warenhandel und der Aufbau der Wirtschaft einen Großteil unserer Aufmerksamkeit fordern, so sollten wir die völkerübergreifenden Verbindungen nicht vernachlässigen. Schon der erste Kontakt zu den Indianern ist wichtig für unser späteres Ansehen. Leben wir in Frieden mit den Eingeborenen, achten deren Grenzen und errichten sogar Missionen in den Dörfern, werden uns bald Geschenke überreicht und fleißige neue Bürger überstellt. Ebenso wird unser Verhalten mit den Gastgebern von andern Völkern beobachtet. Zeigen wir uns freundschaftlich, haben wir leichtes Spiel mit den Franzosen, die ebenfalls ein gutes Verhältnis zu den Indianerstämmen pflegen. Die Spanier dagegen können mit dem Schmusekurs wenig anfangen und deuten unser Verhalten als Schwäche. Und da wären wir auch schon bei den drei Kolonialmächten. Im Gegensatz zu Civilization sind die Nachbarn zurückhaltend und suchen in allen sieben Schwierigkeitsstufen selten die militärische Konfrontation. Stattdessen belassen es die Staatsoberhäupter bei Bittgesuchen und Drohgebärden, falls wir ihren Forderungen und Wünschen nicht nachkommen. Dadurch verkommen die „Mitspieler“ leider zur reinen Randverzierung und sorgen sogar oft für langweilige Spielmomente. Allein die Freibeuter bringen da noch etwas Leben ins Spiel. Die aggressive Piratenmentalität sorgte bei mir für einige verlorene Schiffe und für manchen Fluch auf den Lippen.

Mein größtes Problem hingegen sind die unausgegorenen Karten. Während die kleineren Varianten kaum Entwicklungsmöglichkeiten für die Städte lassen, sind die großen zwar so weitläufig, dass sich verschiedene Völker mitunter gar nicht begegnen, lassen durch ihre Aufteilung hingegen wieder zu wenig Raum für große Städte. Da bleibt nur der Griff zum Editor, der eigene Welten mit viel Spielraum für überraschende Zufälle lässt. Ebenso bemüht wirkt auf mich die Verknüpfung mit der alten Welt. Die stets enger gezogene Steuerschraube macht einen Handel zunehmend unattraktiv und erzwingt nahezu die Abnabelung. Da war das ursprüngliche Colonization wesentlich großzügiger.

Altbacken

Grafisch und akustisch zeigt sich Colonization altbacken. Zwar wurde die Engine dezent durch schönere Wassereffekte und detailliertere Landschaften sowie eine stufenlose Zoomfunktion aufgewertet, kann aber dennoch aufgrund der polygonarmen 3D-Modelle und der verwaschenen Texturen keinen Kolonisten vom Schiff locken. Allerdings sind solche Kritikpunkte für ein Spiel dieser Art nicht entscheidend.  Auch Musikalisch wurde nahezu alles aus Civilization übernommen. Die wenigen neuen Titel passen dafür perfekt in das Ambiente. Etwas mehr Individualismus wäre durchaus angebracht gewesen. Überhaupt ist der Titel leider oft vorhersehbar. Beispielsweise die Kämpfe, welche stets den überlegenen als Sieger hervorgehen lassen. Überraschungen bleiben hier völlig aus. Dabei lassen solche Spielelemente wie beförderungsfähige Veteranen und Generäle oder verschiedene Fähigkeiten der Truppen und einfache Formationskämpfe durchaus Spielraum. Da wäre mehr drin gewesen. Lediglich der Mehrspieler-Modus kann komplett überzeugen. Hier dürfen die Spieler über Internet, Netzwerk, E-Mail oder einfach an einem Rechner (Hotseat) ihr Glück versuchen.

Fazit

Ist Colonization bei all der Kritik denn überhaupt noch empfehlenswert? Auf jeden Fall! Denn irgendwie verzeiht man solchen Spielen solche Macken eher, als dies beispielsweise bei Shootern der Fall ist. Denn wie so oft schafft es auch Colonization die 300 Runden bis zum Unabhängigkeitskrieg wie im Fluge vergehen zu lassen und am Ende erneut den Entdeckergeist zu wecken. „Vielleicht versuche ich es noch einmal und mache dabei die Indianer einfach platt.“ Das funktioniert zumindest bei absoluten Genrefans perfekt. Gelegenheitstaktiker hingegen, welche Civilization IV bereits im Schrank haben, können auch gut ohne Colonization leben.

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POSITIV
- rundes Wirtschaftssystem
- stufenloser Zoom
- geringe Hardwareanforderungen
NEGATIV
- zu viel Mikromanagement
- nerviges Handelsroutenmenü
- veraltete Grafik
79%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
mittel
gut
gut
mittel
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MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
Intel Core Duo
1,8 Ghz
1024 MB RAM
128 MB Grafikkarte
1 GB Festplatte
Mac OS X 10.5
Intel Core 2 Duo
2 Ghz
2048 MB RAM
128 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5.8
Intel Core 2 Duo
2,3 Ghz
2048 MB RAM
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Mac OS X 10.5.8
MacBook Pro
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Radeon X1600
Mac OS X 10.6.2

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Civilization IV - Colonization" bereit.