BILDER GALERIE












Werbung

Die Sims 3

Testbericht von Harald

Entwickler: Maxis
Herausgeber: EA Games
System: Mac OS X, Windows*
Erschienen: Sommer 2009 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Simulation
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 45-50 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 6 Jahren, Infos zur USK
„Es ist zum aus der Haut fahren!“ Eigentlich merkwürdig, dass sich diese Redensart als Ausdruck von Ärger etabliert hat. Schließlich wünscht sich fast jeder – zumindest zeitweise – in eine andere „Haut“ zu schlüpfen, ein anderes Leben zu leben oder zumindest einmal Dinge zu probieren, die im wirklichen Leben nicht möglich scheinen. Aber wir können nun einmal nicht aus unserer Haut heraus. Doch wenigstens virtuell bietet uns Entwicklerlegende Will Wright seit gut neun Jahren die Möglichkeit, das Leben eines anderen mitzugestalten und herauszufinden, wie es so ist, ein Filmstar, Sportler oder einfach nur ein Aussteiger zu sein. Wie erfolgreich dieses Konzept geworden ist, braucht hier nicht weiter erwähnt zu werden. Wohl aber, dass Electronic Arts nun mit Sims 3 einen neuen Anlauf unternimmt, uns das Überstülpen einer virtuellen Haut schmackhaft zu machen.

Entdecke dich selbst

Eigentlich ist es ein beschauliches Städtchen, dieses Sunset Valley. Und eigentlich könnte alles perfekt sein. Die Sonne scheint, als wollte sie ein Versprechen einlösen und die Meeresbrandung lädt förmlich zum Angeln ein. Doch Klaus-Maria, mein neuer Sims-Schützling, sieht das ganz anders. Er hadert mit dem Schicksal und mit mir. Nicht nur der fehlende Job machen den Jungen zum Quälgeist, auch die Launen und Stimmungsschwankungen sorgen für laute Proteste. Klaus-Maria möchte Rockstar werden, doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Dennoch wundere ich mich etwas. „Du warst doch früher nicht so zickig!“ höre ich mich sagen. Doch diese Launen werden meine Sims in Zukunft wohl oder übel begleiten. Den Grund finden wir in den neuen und vielfältigen Charaktereigenschaften, welche nicht nur das Lebensziel der Sims beeinflussen, sondern zudem vielfältige Stimmungsschwankungen provozieren. Kein Wunder, denn mit maximal fünf Charaktermerkmalen und daraus resultierenden Lebenswünschen kann da schon einmal was durcheinander geraten. Aber ich hab es ja nicht anders gewollt, denn schließlich habe ich dem armen Kerl diese Eigenschaften zuvor zugesprochen.

Je nach Reifeprozess, sprich Alter, verfügt der Sim über mehrere dieser „Rahmenbedingungen“ und wird in seiner Persönlichkeit eben zunehmend komplexer. Das ergibt, wiederum abhängig von seinem Äusseren, eine einzigartige Persönlichkeit, welche auch sehr individuell auf seine Umwelt reagiert. Dabei ist der Spielraum enorm groß. Ob gut oder böse, feige oder draufgängerisch, sauber oder schlampig, ein Familienmensch oder eher Einzelgänger, all das trägt zur Einzigartigkeit unseres Sims bei. Und diese zugegeben plakativen Eigenschaften kratzen dabei nur an der Oberfläche der Möglichkeiten. Da darf ein stimmiges Äußeres natürlich nicht fehlen.

Und auch hier glänzt der Editor und bietet von Kopf bis Fuß, von der Kleidung bis zum Schmuck und von der Kopfbedeckung bis zur Unterwäsche viel Potential für Experimente. Selbst die Harre lassen sich jetzt von den Spitzen über die Wurzeln bis zu den Strähnen individuell einfärben. Das Interessante dabei ist, dass selbst optisch identische Sims mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften auch äußerlich schnell eine andere Richtung einschlagen. Das macht die Sims authentisch und ermöglicht eine bisher unerreichte Tiefe der Identifikation. Da wirkt es schon befremdlich, dass die Frisuren stereotyp und ziemlich ähnlich daher kommen. Ob das etwas damit zu tun hat, dass gerade die Frisuren beim Vorgänger die beliebtesten Erweiterungen waren und man hier ein schönes Zusatzgeschäft wittert?

Eine Stadt liegt dir zu Füßen

Aber auch fernab unseres Sims-Editors passierte erfreuliches. So lassen sich Objekte neuerdings in 45 Grad Winkeln beliebig im Raum postieren. Eine wichtige Auflockerung. Leider blieben die Entwickler das Versprechen schuldig, die Möbel als 3D-Modelle zu integrieren. Auch finden Garten- und Modedesigner ein schier unerschöpfliches Betätigungsfeld, da jetzt so gut wie alles moduliert, texturiert und in der Struktur beliebig verändert werden kann.

Doch die wichtigste Änderung ist sicherlich die offene Spielwelt. Denn statt unserem Sims immer nur hinterher zu winken, wenn dieser zur Arbeit geht, können wir nun gemeinsam die ganze Stadt entdecken. Zumindest bis vor die Tür der anderen Gebäude. Denn weder der Buchladen, noch das Museum und erst recht nicht der Arbeitsplatz öffnen für uns ihre Pforten. Nur das Fitnessstudio und die Bibliothek gewährt uns einen Einblick. Das ist ärgerlich, zumal diese Einschränkung sicherlich nicht technischer Natur ist. Aber auch von Außen kann die Stadt begeistern. Viele Lokalitäten laden zum Flanieren ein, Wasserfälle und Steinformationen buhlen um unseren Besuch und die Strassen wirken, gemäß dem Tagesablauf, lebendig und versprühen einen Hauch von amerikanischer Kleinstadt.

Doch bei allen Neuerungen bleibt das Spiel seinen Wurzeln treu. Führe deinen Schützling durch sein Leben und hilf ihm, den Traumjob und sein Lebensglück zu finden, eine Familie zu gründen oder ganz einfach sich selbst zu verwirklichen. Dabei zeigt unser Sim durchaus Charakter und geht mitunter seine eigenen Wege. So ignoriert er unsere Vorgaben, sofern ihm etwas anderes wichtiger erscheint und ändert auch gerne hin und wieder seine Meinung. Das äußert sich in neuen Zielen, die er uns lauthals klarzumachen versucht. Mal möchte er einen Kochkurs machen, sein Charisma verbessern oder Freundschaften schließen. Ja, es ist nicht einfach Klaus-Maria zufrieden zu stellen. Damit die ganze Schufterei auch Spaß macht, füllt die Befriedigung solcher spontanen Wünsche nicht nur unseren Glückspunktestand, sondern schafft zudem einen zufriedeneren Sim. Die Punkte lassen sich wiederum gegen weitere Gegenstände wie einem schönen Fernseher oder einem besonderen Buch eintauschen. Und wem das zu profan ist, der stattet dafür seinen virtuellen Freund mit neuen Fähigkeiten aus. Beispielsweise verhilft eine Stahlblase zu wesentlich längeren Intervallen zwischen den Toilettengängen. Eine begrüßenswerte Idee!

Ahnenforschung

Auch das virtuelle Leben unserer Schützlinge währt nicht ewig. Vielmehr durchleben sie einen „natürlichen“ Alterungsprozess vom Kleinkind bis zum Greis und schließlich zum Tode. Das geht in wesentlich schnellerer Zeit von statten und umfasst in der Kleinkindphase ganze sieben Tage, während Erwachsene immerhin 21 Tage in diesem Stadium verbringen. Ungeduldige können diesen Übergang durch den Kauf eines Geburtstagskuchens beschleunigen. Entscheidend ist hierbei, dass ein Kleinkind mit reduzierten Merkmalen auskommen muss, während erst der junge Erwachsene über alle Wesensarten verfügt. Dazu gesellen sich weitere Vorlieben wie Leibgerichte, der Lieblingsmusikrichtung oder einer Lieblingsfarbe. Das ist zwar alles nicht spielentscheidend, kann aber regelrechte Glücksgefühle in unserem Sim hervorrufen. Wer eine Familie gründet, darf die Gene des Paares in die nächste Generation retten und so einen zumindest wesensverwandten Nachfolger erzeugen. Wie beim Vorgänger beschränkt sich die Anzahl der Familienangehörige auf maximal acht Personen. Das der Tod nicht zwangsläufig das Ende ist, scheinen unsere Sims übrigens auch zu wissen, denn jetzt kann es durchaus passieren, dass diese als Geister zurückkehren und ihre noch lebenden Mitsims in den Wahnsinn treiben. Da hilft nur noch der Geisterjäger. Und wer es nicht glaubt, dem sei ein Besuch im Mausoleum auf dem ortseigenen Friedhof empfohlen. Ein garantiert haarsträubendes Erlebnis!

Lebensraum

Auch wenn Sunset Valley den Charme einer Kleinstadt versprüht, so verfügt sie doch über ein eigenes Stadion, einen Flughafen, Büchereien und Krankenhäuser sowie einem malerischen Strand. Und selbstverständlich bewohnen einige interessante und sehr gegensätzliche Familien wie beispielsweise Familie Wainwright die Stadt. Dieses technikverliebte Paar konnte ihre Leidenschaft bereits erfolgreich an die Tochter weitergeben, die schon im zarten Kindesalter mit allerlei technischen Geräten rumhantiert. Damit hat Familie Alto hingegen wenig am Hut. Sie bewohnt eine luxuriöse Villa und verprasst mit Freuden die Früchte ihrer skrupellosen Geschäfte. Familie wie diese finden wir in großer Zahl und sie alle dürfen von uns jederzeit übernommen werden. Ihnen eigen ist dabei, dass jede Familie mit ihren Problemen den Spieler mehr oder weniger fordern, und für einen von sechs Schwierigkeitsgraden stehen. Ja, Sunset Valley lebt und hat eine Menge zu bieten. Schon die schönen und völlig verschiedenen Häuser, die hübsche Landschaft und die blank geputzten Straßen, dazu die glutrote Abendsonne über dem Meer und die verträumten Parks scheinen gerade dem Film „Edward mit den Scherenhänden“ entsprungen. Und damit ein Stadtbummel auch lohnt, warten an den entlegensten Plätzen Meteoriten, Metalle oder Schmetterlinge auf uns. Sie bringen neben einer optischen Aufwertung unseres Zuhauses auch eine schöne Stange Geld.

Alles eitel Sonnenschein?

Electronic Arts führt bei den Sims fort, was mit Spore begonnen hat und baut auf ein umfassendes Online-Angebot mit einer aktiven Community, sofern sie denn will. Denn eine Internetverbindung ist bei der Registrierung löblicherweise nicht nötig. Statt dessen vertraut der Publisher auf die Eingabe eines Regstrierungsschlüssels, was wohl als Zugeständnis gegenüber der computerunerfahrenen Käuferschicht zu werten ist. Wer hingegen auf das Onlineangebot eingehen und Möbel, Kleider oder gar ganze Städte hoch- oder runterladen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass EA sehr genau Buch über Onlineaktivitäten, Statistiken und ähnliches führt! Wer seine Erlebnisse jedenfalls der Allgemeinheit mitteilen möchte, kann mithilfe eines sehr einfachen Editors Filme erstellen, und diese ins Netz stellen. Und wem Sunset Valley zu eintönig wird, der gestaltet sich die Stadt einfach nach eigenen Vorlieben um. Zwar bringt das keine neuen Gebäude oder einen anderen Straßenverlauf, schafft aber doch etwas Abwechslung.

Und dann ist da noch die Sache mit Cider. Natürlich ist es löblich, dass EA Windows- wie Mac-Version gleichzeitig bringt. Und ebenso begeistert bin ich darüber, dass beide Versionen eine nahezu gleiche Performance aufweisen, und doch scheint die Cider-Technik diesmal sogar die Windowsversion mitgerissen zu haben. Anders ist die schwache Performance nicht zu erklären. Ebenso ärgerlich ist, dass bestimmte Gebäude keinen Einblick gewähren. So verkommt ein schauriges Abenteuer im Mausoleum zum simplen Textadventure. Die Grafik indes ist Geschmacksache. Ich persönlich halte sie für sehr geglückt und in diesem Genre einzigartig. Doch muss man sich im Klaren darüber sein, dass viele Feinheiten und Ungereimtheiten die Serie nach wie vor begleiten. So könnte gerade die Auflösung aus nächster Nähe besser sein, Personen und Objekte lassen eine brauchbare Kollisionsabfrage vermissen und ein vernünftiges dynamisches Wettersystem blieb man ebenfalls schuldig. Und doch fühlt sich die Grafik echt an, und vermittelt stets ohne lange Sucherei alle wichtigen Informationen. Dazu schafft es Sunset Valley spielend, mich in diese Welt zu ziehen und nicht mehr los zu lassen.

Fazit

Alle Achtung EA! Die Sims 3 ist ein richtig gutes Spiel geworden und führt die Serie souverän in die nächste Generation. Auch wenn da noch Luft nach oben ist, so habt ihr es nahezu perfekt verstanden, dem Spieler den nötigen Freiraum für Experimente und Individualität zu geben. Das ist leider auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Wer sich für das Spielkonzept überhaupt noch erwärmen kann, wird in Sunset Valley gerne in eine andere Haut schlüpfen.

Werbung

POSITIV
- frei begehbare Stadt
- zahlreiche Charakterwerte
- viele Zusatzaufgaben
NEGATIV
- die meisten Gebäude erlauben keinen Einblick
- Schwimmen im Meer können Sims immer noch nicht
- nur Standardwetter
91%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
sehr gut
sehr gut
(n.v.)
mittel
Du hast "Die Sims 3" selbst gespielt?
Dann schreib uns Deine Meinung!

MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
Intel Core Duo
2 Ghz
2048 MB RAM
128 MB Grafikkarte ab Intel GMA X3100
7 GB Festplatte
Mac OS X 10.5.7
Intel Core 2 Duo
2,26 Ghz
4096 MB RAM
256 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5.7
Intel Core 2 Duo
3,06 Ghz
4096 MB RAM
512 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5.7
iMac
Intel Core 2 Duo
3,06 Ghz
4096 MB RAM
GeForce 8800 GS
Mac OS X 10.5.7

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Die Sims 3" bereit.