Enemy Territory - Quake Wars
Testbericht von Harald
Entwickler: Splash Damage
Herausgeber: ASH
System: Mac OS X*
Erschienen: Frühjahr 2008 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Action
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 45-50 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 16 Jahren, Infos zur USK
Nichts ist vollkommen. So lautet das Gesetz der Natur. Aber wir Menschen trachten nun einmal nach Vollkommenheit. Auch wenn wir sie wohl nie erreichen werden, so versuchen wir sie doch in den alltäglichen Dingen unseres Lebens zu finden. Gelingt uns das nicht, erschaffen wir durch Kreuzungen, Symbiosen und anderen Manipulationen Dinge, welche uns unserem Ziel näher bringen sollen. Doch das Ergebnis sieht oft anders aus, als erwartet. So lehrt es uns die Literatur und das Leben. Entwickler Splash Damage versucht es ein weiteres mal. Die Mission lautet: Erschaffe einen Mehrspieler-Shooter, welcher die Komplexität von Battlefield 2 mit der Geschwindigkeit von Quake verbindet. Das Ergebnis hört auf den Namen Enemy Territory - Quake Wars und zeigt uns ein weiteres Mal, dass eben nichts auf der Welt perfekt ist.
Nieder mit der Erde!
Genretypisch bemüht sich auch dieses Spiel gar nicht erst, eine tiefgreifende und wendungsreiche Geschichte aufzubauen. Wozu auch? Im Mittelpunkt steht der blutige Konflikt der Menschen (GDF) und der Alien-Invasoren Namens Strogg. Und mehr braucht es eigentlich auch schon gar nicht, um lange und spannende Onlineschlachten zu umreißen. Zahlreiche Schlachtfelder, über den ganzen Globus verteilt, warten auf die Kämpfer. Diese messen sich in drei Karten pro Kampagne, wobei die nacheinander durchkämpft werden. Dabei ist es unerheblich, ob die restlichen Soldaten aus KI-Einheiten bestehen oder über das Netzwerk bzw. Internet rekrutiert wurden. Das Prinzip bleibt gleich: Die Kampagne gewinnt, wer die meisten Siege davon trägt. Eine Besonderheit ist aber sicherlich das Erzielen und Verwalten der Erfahrungspunkte. Diese bekommt, wer Feinde tötet, Kameraden heilt oder bestimmte Aufgaben erfüllt. Mit der Zeit steigt ihr im Rang auf und bekommt zusätzliche Fähigkeiten wie eine schnellere Zielerfassung oder höhere Ausdauer im forcierten Gang. Doch im Unterschied zu den Vorbildern dürft ihr eure Erfahrungspunkte und Ränge bis zur letzten Karte behalten. Nur die Spielmodi „Stopwatch“ und „Ziele“ bieten dieses Feature nicht.Einmal um die ganze Welt
Wer die zwölf Karten einmal genauer betrachtet, wird sich unweigerlich an Battlefield erinnern, denn auch hier erzählt jede eine eigene Geschichte und führt euch dabei über den ganzen Erdball. Mal gilt es am Strand von Island Daten in Sicherheit zu bringen, dann findet ihr euch in Afrika wieder, um ein Dimensionstor zu schließen, aber auch die gute alte amerikanische Westküste wird Schauplatz im Kampf um wichtige Trinkwasser-Ressourcen. Vielleicht sind es gerade die wendungsreichen Missionen, welche die Spieler auf Dauer an Enemy Territory - Quake Wars fesseln, denn diese motivierten auch mich während meiner Testphase immer wieder. So beinhaltet jede Aufgabe zahlreiche „Vorbedingungen“, welche erst erfüllt werden wollen. Zum Beispiel habe ich als Strogg die Aufgabe, den Selbstzerstörungsmechanismus eines verunglückten Raumschiffs zu aktivieren. Dazu ist es allerdings erforderlich, zuvor einige Energiekristalle aufzuladen. Dieser Verlauf gibt dem Spiel eine unkontrollierbare Dynamik und sorgt für Tempo und Dramatik in allen Schlachten. Dass die Entwickler dabei durchgängig spannende und abwechslungsreiche Außenlevel präsentieren, ist eine der großen Stärken des Spiels. Man hat offensichtlich viel Zeit und Sorgfalt in dieses Thema investiert. Vielleicht aber auch zu viel, denn ausgerechnet die Innenbereiche fallen im Vergleich deutlich ab. Und dabei stört nicht nur die hässliche Texturierung oder die schlechte Beleuchtung. Vor allem sind es einfalls- und lieblos gestaltete Gänge und Räume ohne Charme und taktische Qualitäten, welche den Spieler unweigerlich wieder ins „Freie“ treiben.Klassendenken
Eines der wichtigsten Merkmale bei einem Mehrspieler-Shooter sind sicherlich die Charakterklassen. Und gerade hier wollte dieser Titel ja einiges anders machen als seine Genrekollegen. Nur ist anders leider nicht immer besser. Natürlich finden wir auch bei Quake Wars die üblichen Verdächtigen wie den Soldaten der mit Hilfe von schweren Waffen für Ordnung sorgt, den Sanitäter bzw. Versorger welcher sich um die verwundeten Kameraden kümmert, den Feldagenten bzw. Oppressor, der die Landschaft mit Geschütztürmen verschönert, den Techniker – auf der Gegenseite auch Konstruktor genannt – der lädierte Fahrzeuge wieder auf Vordermann bringt und den Geheimagenten bzw. Infiltrator, welcher mit Präzisionswaffen Lücken in der Feindes Schar hinterlässt. So weit, so gut nur greift ein Multiplayer-Shooter erst richtig, wenn alle Spieler in ihren jeweiligen Aufgaben aufgehen und diese auch wahrnehmen. Dann erst funktioniert eine Einheit wie eine Maschine und wird zur unbezwingbaren Macht. Aber ausgerechnet dieses so wichtige Spielelement funktioniert hier nicht. Und das liegt nicht allein an der Community. Denn warum soll ich auf einen Sanitäter warten, wenn der Wiedereinstieg ohnehin schneller geht und der Tod auch nicht mit Punktabzug bestraft wird. Zudem laufe ich als Vertreter der Menschen während des Wartens Gefahr, von den Stroggs „übernommen“ zu werden. Dieser nutzt meinen Körper dann als alternativen Spawn-Punkt. Im Ergebnis finden sich kaum Ärzte auf dem Schlachtfeld. Ähnlich verhält es sich bei den anderen Klassen. Dazu kommt, dass der Tod einen schneller ereilt, als man „nieder mit den Strogg!“ sagen kann, da ein optisches Feedback, woher der Beschuss kommt, komplett fehlt. Ebenfalls ärgerlich ist, dass die Onlinepartien dermaßen hektisch verlaufen, dass eine gezielte Aktion so gut wie unmöglich ist. Das Ende vom Lied sind planlose Massenschlachten, in denen jeder für sich alleine kämpft und eben versucht, ein paar Minuten zu überleben. Auch die hervorragend und vielseitig gestalteten Fahrzeuge wie Jeeps, Gleiter, Panzer, Kampfläufer und Hubschrauber tragen das ihre zu dieser Situation bei.Fazit
So sind wir am Ende dieses Tests zumindest um eine Erfahrung reicher: Eins und eins ergibt eben doch nicht immer mehr. Zumindest nicht mehr Spielspaß. Denn obwohl ich Battlefield und Quake liebe, lässt mich Enemy Territory - Quake Wars auf Dauer kalt. Natürlich erfreue auch ich mich an den genialen Explosionen und sonstigen Effekten und freue mich wie ein Schneekönig über geschaffte Missionen. Aber die angesprochenen Mängel und das unausgegorene Balancing können mich nicht lange vor dem Bildschirm fesseln. Dazu fehlen mir einfach die taktischen Finessen und die gezielte Vorgehensweise im Team. Wer unkomplizierten und kurzweiligen Online-Ballerspaß mit einer zeitgemäßen und schönen Präsentation sucht, ist bei diesem Titel aber goldrichtig, zumal gerade Einsteiger mit dem sehr guten Tutorial und der komplett eingedeutschten Version schnell ins Spiel finden werden.
POSITIV
- komplett in Deutsch
- Mehrspieler-Modus für bis zu 32 Spieler
- schöne und stimmige Außenlevel
- Mehrspieler-Modus für bis zu 32 Spieler
- schöne und stimmige Außenlevel
NEGATIV
- 7600 GT und 8800 GT Grafikkarten werden nicht unterstützt (diverse Abstürze)
- einfallslose und hässliche Innenlevel
- unausgegorenes Balancing
- einfallslose und hässliche Innenlevel
- unausgegorenes Balancing
79%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
gut
gut
gut
mittel
gut
gut
mittel
| MINIMUM | STANDARD | OPTIMUM | TESTRECHNER |
| Intel Core Duo 2 Ghz 1024 MB RAM 128 MB Grafikkarte 6,5 GB Festplatte Mac OS X 10.5.1 DSL-Internetverbindung |
Intel Core 2 Duo 2 Ghz 1536 MB RAM 128 MB Grafikkarte Mac OS X 10.5.2 |
Intel Core 2 Duo 2,4 Ghz 2024 MB RAM 256 MB Grafikkarte Mac OS X 10.5.2 |
MacBook Pro 2 Ghz 2048 MB RAM Radeon X1600 Mac OS X 10.5.2 |
* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Enemy Territory - Quake Wars" bereit.





