Galactic Assault - Prisoner of Power
Testbericht von Harald
Entwickler: Paradox
Herausgeber: Virtual Programming
System: Mac OS X*
Erschienen: Sommer 2009 in Deutsch
Plattform: PPC / Intel*
Genre: Action
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 25-30 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 12 Jahren, Infos zur USK
Warum langweilen Strategiespiele ihre Fans eigentlich so oft mit uninspirierten und klischeelastigen Geschichten? Liegt es daran, dass Hobbygeneräle keinen triftigen Grund brauchen ein Feindbild aufzubauen, oder ist eine meist globale Krise doch nicht so einfach in eine glaubwürdige und spannende Rahmenhandlung zu fassen, wie es zunächst den Anschein hat? Und wenn ein packendes Szenario schon solche Schwierigkeiten bereitet, warum schaut man sich dann nicht einfach in der einschlägigen Literatur um? Nein, dieser Gedankengang ist weder neu, noch ist er von mir. Beispielsweise nahm sich Cryo Interactive Entertainment bereits 1992 dem Science-Fiction Literaturklassiker „Dune – Der Wüstenplanet“ an. Wahrlich eine illustre Gesellschaft, in die sich die Entwickler Wargaming.net und Akella da begeben, denn mit ihrem indirekten Massive Assault-Nachfolger Galactic Assault – Prisoner of Power wollen es die erfahrenen Strategiespielentwickler ihren französischen Kollegen gleich tun, und bauen ihr Endzeitszenario auf der Romanvorlage „Die bewohnte Insel“ der russischen Schriftsteller Arkadi und Boris Strugatzki auf. Da kann ja nur ein spannendes Strategiespektakel rauskommen, oder?
Was von den Autoren als systemkritisches Werk verstanden wurde, will vordergründig nur schwer als Grundlage eines Strategiespiels funktionieren. So halten sich die Entwickler auch nur sporadisch an die Handlung und nutzen das Szenario allenfalls als Hintergrund. Und das macht gerade den Einstieg enorm schwierig. Zwar erklärt uns die Anleitung, dass Max gerade die zentrale Übertragungsstation vernichtet hat, im Spiel selbst ist davon allerdings nichts zu sehen. Stattdessen werden wir in der ersten Mission in einen Kampf geworfen, der weder genauer beschrieben, noch in einen größeren Zusammenhang gebracht wird. Alles wirkt losgelöst und schon hier frage ich mich nach der Sinnhaftigkeit meiner Handlungen. Ebenso trocken wirken die drögen und sehr textlastigen Zwischensequenzen, welche allerdings komplett in deutsch vertont wurden. Und leider zieht sich die mangelhafte Präsentation durch das ganze Spiel. Die Texturen wirken matschig und weder die Animation der Einheiten, noch ihr Aussehen können überzeugen, geschweige denn in die Atmosphäre dieser Welt ziehen. Allein die verschiedenen Kameraperspektiven bzw. Fahrten während der Kampfhandlungen können die 3D-Darstellung halbwegs ins rechte Licht rücken.
Die Entwickler waren bemüht, die Rundenstrategie dynamisch und flüssig zu inszenieren. Und das gelingt besonders im Vergleich zu Massive Assault. Denn mein Gegner wartet mit dem Gegenfeuer nicht etwa, bis er dran ist, er reagiert sogar direkt auf meinen Beschuss was allerdings auch im umgekehrten Fall gilt. Um dabei das Risiko richtig einschätzen zu können, verrät mir eine Anzeige den zu erwartenden Verlust beider Seiten. Auch wenn das nur Schätzwerte sind, so vermitteln sie doch zuverlässig meine Chancen. Doch die Anzeige der Lebensenergie ist nur die halbe Wahrheit, entscheidet doch auch die Truppenmoral über die Effektivität der Einheit. Geht die nämlich in den Keller, verändert sich nicht nur der Moralpunkt von Grün in Gelb, die Einheit feuert und verteidigt auch nicht mehr so effektiv. Sinkt die Moral schließlich in den roten Bereich, ist ein Angriff unmöglich.
Was ist Wahrheit?
Eine nicht einfache Vorlage, welche sich die Entwickler da vorgenommen haben. Wir befinden uns in einer nicht näher benannten Zukunft auf einem erdähnlichen und doch weit entfernten Planeten, auf dem der Abenteurer Maxim Kammerer per Notlandung gestrandet ist. Die einst so stolze Kultur ist aufgrund alles verseuchender Atombomben nur noch verblassende Geschichte und aus den Regenten dieser Welt wurden verblendete und fanatische Feinde, gesteuert und zusammengehalten von Militärgesetzen und Propagandalügen. Dieser postatomare Albtraum scheint den Lebewesen hier zur Selbstverständlichkeit geworden zu sein und nur ein Außenstehender wie Maxim hat noch genügend Ideale, um sich dem Wahnsinn entgegenzustellen. Doch hat diese Welt überhaupt noch Platz für humanistische Ideale oder versucht Maxim am Ende nur, eine Scheinwelt mit der anderen zu vertauschen? So driftet der Roman schnell in philosophische Bereiche ab und landet am Ende bei der Frage, die bereits dem Johannes-Evangelium übersteht: „Was ist Wahrheit?“Was von den Autoren als systemkritisches Werk verstanden wurde, will vordergründig nur schwer als Grundlage eines Strategiespiels funktionieren. So halten sich die Entwickler auch nur sporadisch an die Handlung und nutzen das Szenario allenfalls als Hintergrund. Und das macht gerade den Einstieg enorm schwierig. Zwar erklärt uns die Anleitung, dass Max gerade die zentrale Übertragungsstation vernichtet hat, im Spiel selbst ist davon allerdings nichts zu sehen. Stattdessen werden wir in der ersten Mission in einen Kampf geworfen, der weder genauer beschrieben, noch in einen größeren Zusammenhang gebracht wird. Alles wirkt losgelöst und schon hier frage ich mich nach der Sinnhaftigkeit meiner Handlungen. Ebenso trocken wirken die drögen und sehr textlastigen Zwischensequenzen, welche allerdings komplett in deutsch vertont wurden. Und leider zieht sich die mangelhafte Präsentation durch das ganze Spiel. Die Texturen wirken matschig und weder die Animation der Einheiten, noch ihr Aussehen können überzeugen, geschweige denn in die Atmosphäre dieser Welt ziehen. Allein die verschiedenen Kameraperspektiven bzw. Fahrten während der Kampfhandlungen können die 3D-Darstellung halbwegs ins rechte Licht rücken.
Machtkampf
Wahlweise in 17 Missionen oder 11 Szenarien darf sich der Hobbygeneral beweisen, wobei in jedem Szenario mit einem der vier unterschiedlichen Völker gekämpft wird. Die Mission hingegen handelt von der Republik, welche sich den Planeten mit dem „Land der Vorväter“, den „Khonties“, „Südbarbaren“ und dem „Inselreich“ teilt. Und da in dieser Welt „teilen“ nicht zur Philosophie der Parteien gehört, tritt die Republik mit unserem Helden Maxim an ihrer Seite nacheinander gegen alle Parteien an. So linear sich das anhört, so ist es am Ende auch. Ohne Auswahlmöglichkeiten kämpft ihr euch vom hohen Norden bis in die südliche Wüste hinein. Zudem flankiert das Spiel die Missionen mit Szenarien um den eigentlichen Feldzug herum, der ohne lange Wartezeiten die Konfrontation mit allen anderen Parteien ermöglicht. Natürlich darf auch ein Onlinemodus nicht fehlen. Wahlweise per LAN oder Internet kann der Kampf sogar an einem Rechner (Hot Seat Modus) ausgefochten werden. Dummerweise bieten die vier Völker allerdings weder optisch, noch inhaltlich große Vielfalt. Gewiss greifen die Vorväter auf die effektivste Sturminfanterie zurück, während beispielsweise die Khonties mit durchschlagskräftigen Kanonen kontern, doch im Endeffekt spielen sich sogar die auf starke Kämpfer setzenden Barbaren ähnlich, was den notwendigen Taktiken schnell einen Widererkennungseffekt gibt. Allenfalls das Inselimperium mit seinen wuchtigen Kriegsschiffen bildet hier eine Ausnahme. So kommen unterm Strich über 50 Einheiten zusammen, von denen zumindest Buchkenner eine Weile zehren. Denn gerade die werden sich noch gerne an die gefürchteten Einheiten wie die Strafpanzer oder Bergadler-Bomber erinnern. Aber selbst die spielen sich eher wie Fahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg. Was bleibt ist gängige Kost wie Flugzeuge, Flugabwehr, Spähfahrzeuge, Infanterie usw.Listige KI
Während euch das Spiel anfangs mit harmlosen Scharmützeln bei Laune hält und dabei das Gameplay erklärt, werdet ihr ab der fünften Mission ganz schön ins Schwitzen geraten. Und das sogar in der niedrigsten der drei Schwierigkeitsstufen. Galactic Assault ist wie Massive Assault ein klassisches Rundenstrategiespiel mit Hexfeldern als Unterlage. Aufgeteilt in eine Kampf- und Nachschubphase leitet ihr das Geschick eurer Männer, worauf es euch der Feind gleich tut. Eure Ziele bleiben dabei konventionell und erstrecken sich auf Stellungen erobern oder die Basis überrennen. Viel mehr dürft ihr hier leider nicht erwarten. Natürlich hat jede Einheit mobile Vor- oder Nachteile und unterscheidet sich in ihrer Durchschlagskraft und Reichweite. Und hier punktet das Spiel. Denn statt, wie bei vielen Konkurrenzprodukten leider üblich, das Terrain nur für optische Gimmicks zu nutzen, spielt das Gelände hier eine wichtige Rolle. Beispielsweise bietet der Wald mehr Deckung und Hügel sind die ideale Position für Fernwaffen. Das wirkt stimmig und sehr realistisch. Dazu kommt, dass die KI zu meiner Überraschung nicht nur clever, sondern auch äußerst listig agiert. Da sucht der Feind nicht nur den Stellungsvorteil, stützt seine Artillerie mit dahinter positionierter Infanterie und weicht geschickt meinen Angriffen aus, er sticht auch gezielt in meine Schwächen und hält die Linie flexibel. Das bescherte mir mehr als einmal einen vernichtenden Gegenangriff in meine Flanke. Besonders im höchsten Schwierigkeitsmodus hatte ich oft das Gefühl, gegen einen erfahrenen menschlichen Gegner zu spielen, wobei sich frustige Momente eigentlich in Grenzen hielten. Denn bei jeder Niederlage wusste ich, wo meine Fehler lagen und das mein virtuelles Ableben stets auf meine Unachtsamkeit zurückzuführen war.Die Entwickler waren bemüht, die Rundenstrategie dynamisch und flüssig zu inszenieren. Und das gelingt besonders im Vergleich zu Massive Assault. Denn mein Gegner wartet mit dem Gegenfeuer nicht etwa, bis er dran ist, er reagiert sogar direkt auf meinen Beschuss was allerdings auch im umgekehrten Fall gilt. Um dabei das Risiko richtig einschätzen zu können, verrät mir eine Anzeige den zu erwartenden Verlust beider Seiten. Auch wenn das nur Schätzwerte sind, so vermitteln sie doch zuverlässig meine Chancen. Doch die Anzeige der Lebensenergie ist nur die halbe Wahrheit, entscheidet doch auch die Truppenmoral über die Effektivität der Einheit. Geht die nämlich in den Keller, verändert sich nicht nur der Moralpunkt von Grün in Gelb, die Einheit feuert und verteidigt auch nicht mehr so effektiv. Sinkt die Moral schließlich in den roten Bereich, ist ein Angriff unmöglich.
Schleicheinlage
Wer bei dieser Überschrift an Sam Fischer denkt, liegt hier ausnahmsweise falsch. Denn was hier schleicht, ist nur der Mac. Denn trotz der schwachen Grafik und der dürftigen Physikeffekte pumpt mein MacBook Pro ganz schön, und kommt bei Großeinsätzen sogar fast zum Erliegen. Und selbst der ausgewachsene iMac mit 3,06 GHz Dual Core Prozessor muss mehr als einmal längere Zeit überlegen. Da hätte man wirklich mehr erwarten können.Fazit
Massive Assault ist einer jener Gründe, warum ich gerne Spiele teste. Denn während ich das Spiel ohne „Zwang“ bereits nach drei Stunden von der Platte geputzt hätte, erschloss sich mir nach circa sechs Stunden ein sehr forderndes und spannendes Strategiespiel mit viel Potenzial für lange Nächte. Diese Belohnung werden allerdings nicht viele zu schätzen wissen, denn die schwache Präsentation, die zusammenhanglose Story, die vielen Macken und der deftige Schwierigkeitsgrad wird nur die geduldigen und strategisch anspruchsvollen Mac-Spieler auf dem Schlachtfeld halten. So bleibt ein Kleinod für wenige.
POSITIV
- Strategisch fordernd
- sehr clevere KI
- komplett in deutsch
- sehr clevere KI
- komplett in deutsch
NEGATIV
- schlechte Performance
- üble Grafik
- Romanvorlage wurde nicht richtig genutzt
- üble Grafik
- Romanvorlage wurde nicht richtig genutzt
69%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
schlecht
gut
(n. getestet)
fortgeschritten
gut
(n. getestet)
fortgeschritten
| MINIMUM | STANDARD | OPTIMUM | TESTRECHNER |
| G5 / Intel Core 2 Ghz 512 MB RAM 64 MB Grafikkarte ab GeForce 5200 oder Radeon 9600 1,6 GB Festplatte Mac OS X 10.4.11 |
Intel Core Duo 2 Ghz 1536 MB RAM 128 MB Grafikkarte Mac OS X 10.5.8 |
Intel Core 2 Duo 2,4 Ghz 2048 MB RAM 256 MB Grafikkarte Mac OS X 10.5.8 |
MacBook Pro 2 Ghz 2048 MB RAM Radeon X1600 Mac OS X 10.5.8 |
* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Galactic Assault - Prisoner of Power" bereit.





