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The Legend of the Tolteks

Testbericht von Jürgen Beck

Entwickler: Magnussoft
Herausgeber: RuneSoft
System: Mac OS X*
Erschienen: Herbst 2009 in Deutsch
Plattform: PPC / Intel*
Genre: Fun / Kinderspiele
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 25-30 ¤
Demo: Ja, download now!
Freigabe: ohne Beschränkung, Infos zur USK
Steinchen wegklicken ist momentan eine der angesagtesten Denksportarten. Kein Wunder, dass der Casual-Games-Hersteller Magnussoft auf diesen Zug aufspringt und gleich mehrere Elemente der bekanntesten Klassiker in sein neuestes Spiel packt. Ist The Legend of the Tolteks also ein richtig dicker Knobelhappen, oder wollte man letztendlich doch zu viel des Guten?

Die Tolteken beherrschten zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert den größten Teil Zentralmexikos und galten als filigrane Handwerker und Künstler. Im Denkspiel The Legend of the Tolteks von Magnussoft sollst du dem Volk helfen ihre Stadt Tollán wieder aufzubauen. Das klingt nach einem weiteren Siedler-Klon, entpuppt sich aber schon nach wenigen Sekunden als Knobel- und Denkspiel im Stile von Bejeweled, Puzzle Quest oder Zookeeper.

Der Kampf mit dem Bekannten

Die Entwickler beschränkten sich jedoch nicht darauf, eine einfache Kopie besagter Titel im grafischen Gewand einer Inka-ähnlichen Kultur abzuliefern, sondern klauten dreist bei ähnlichen, höchst erfolgreichen Titeln wie 7 Wonders oder Jewel Master, die einst frischen Wind ins Genre brachten. Das grundlegende Spielprinzip bleibt erhalten. Auf, zum Teil ziemlich verschachtelten Spielbrettern, musst du mindestens drei gleiche Symbole waagrecht oder senkrecht nebeneinander platzieren, kannst aber nur benachbarte Steine tauschen. Dann verschwinden sie und vom oberen Rand rutschen neue Klötze nach. Unter Zeitdruck versteht sich, sonst wäre es wohl zu einfach. Das kennt man, das macht Laune, das sorgt für kurzweilige Unterhaltung.

Aus 7 Wonders kennt man das Element, dass manche Steine einen andersfarbigen Hintergrund aufweisen. Diese, speziell gekennzeichneten Flächen müssen mit den Symbolketten vom Spielfeld gesprengt werden, bevor der Weg ins nächste Level freigegeben wird. Jewel Master hingegen führte die Rohstoffe in die Steinchenwelten ein. Gold, Holz und Naturalien werden benötigt, um Bauwerke zu errichten. All dies findet sich auch bei den Tolteken wieder, denn immerhin soll man hier das Reich Quetzalcoatls wieder aufbauen. Somit klickt man sich durch bunte Steinchenflächen, die all die benötigten Rohstoffe anzeigen, versucht die vorgegebene Anzahl zu erreichen, um damit anschließend Gebäude zu errichten. Bis die gesamte Stadt in ihrem alten Glanz erstrahlt – womit das Spiel aber noch längst nicht vorbei ist. Selbst nach erfolgreichem Aufbau und einem wenig spektakulären Feuerwerk geht die Arbeit im Steinbruch in den über 100 Levels weiter. Diverse Extrawaffen, wie Bomben, um Symbole von mehreren Spielfeldern zu sprengen, oder die Möglichkeit, alle Steine einer Sorte zu entfernen, sind implementiert. Auch das kennt man schon aus zig anderen Puzzle-Games.

Der Kampf mit dem Chaos

Mit etwas Glück und Geschick lassen sich in Spielen dieser Art herrliche Kettenreaktionen erzeugen, was im vorliegenden Fall jedoch mehr dem Faktor Glück zuzuschreiben ist. Strategisches, vorausschauendes Denken ist quasi unmöglich. Denn Magnussoft lässt die Steine nicht, wie es normalerweise üblich ist, in senkrechten Bahnen nachrutschen. Vielmehr purzeln die Symbole von links und rechts nach, was zu einem heillosen, unübersichtlichen Durcheinander führt. Auch das komfortable Ziehen benachbarter Steine, wie man es aus den Inspirationsgebern kennt, erlaubt das Programm nicht, denn zum Tausch müssen beide Symbole immer angeklickt werden.

Leider sind einige, der zum Teil durchaus knifflig gestalteten Spielfelder, unlösbar, was der Verteilung der Steine zuzuschreiben ist, welche nach dem Prinzip des Zufalls geschieht. In, oft wenigen Kästchen großen Bereichen, ist es manchmal unmöglich noch eine Kombination zu entdecken und den Level zu lösen. Die Extrawaffen sind dabei nicht immer hilfreich, da nicht jedes Mal verfügbar. Schlecht gelöst ist es zudem, dass bei Wiederholung eines Spielabschnitts, nur manchmal die zuvor gesammelte Extrawaffe zur Verfügung steht. Hat man sich zuvor auf das Sammeln von Blitzen konzentriert, steht bei Neubeginn des Levels eben jener gar nicht zur Verfügung. Das ist äußerst ärgerlich, da dem Spieler zudem nur drei Leben zur Verfügung stehen, die in solchen Sackgassen schnell verbraucht sind. Nach Verlust des Letzten beginnt auch der Aufbau der Stadt wieder komplett von vorne. Frust ist vorprogrammiert.

Findige Baumeister können sich übrigens einen Fehler des Programms zu Nutze machen, in dem sie sich den letzten, aufzulösenden Stein so lange aufheben, bis das Zeitlimit fast abgelaufen ist. Währenddessen lassen sich in Seelenruhe Rohstoffe sammeln und somit Gebäude viel schneller errichten. Deutlich motivierender wäre es doch gewesen, würde man für die übriggebliebene Zeit Punkte gutgeschrieben bekommen.

Der Kampf mit den Augen

Das sind leider nicht alle Krankheiten, an denen The Legend of the Tolteks leidet. Das schlimmste Übel ist die grafische Gestaltung des Spiels. Während die Stadtkarte und die Hintergrundgrafiken noch als „bemüht“ bezeichnet werden können, sind die Symbole selbst katastrophal gezeichnet. Nur auf dem ersten Spielbrett sind die Steine noch schön groß und klar erkennbar, werden auf späteren Feldern jedoch bis auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe verkleinert. Das führt zu extremen Belastungen für die Augen, denn die Symbole sind so winzig, dass man permanent die Augen zusammenkneift, um überhaupt etwas erkennen zu können. In höheren Levels kommt mit dem Ei noch ein weiterer „Rohstoff“ hinzu, der sich von den Tonkrügen, die ab Spielbeginn zur Verfügung stehen, kaum unterscheiden lässt. Zumindest nicht, wenn die Symbole auf Winzgröße geschrumpft sind. Dein Brillendoktor wird es dir danken!

Der Kampf mit dem Ego

Wieso sollte man also The Legend of the Tolteks überhaupt spielen, wenn es doch so vollgestopft ist mit Designschnitzern? Nun, wegen dem zeitlosen Spielprinzip zum Einen, dessen Sucht trotz der schlechten Umsetzung greift. Zum Zweiten, um das eigene Ego zu stärken. Dieses Spiel ist unfair, ist zum Teil bockschwer, überlässt vieles dem Zufall, dem Glück, und stellt die Sehkraft auf die Probe. Aber man will es besiegen, bezwingen, ihm zeigen, dass man besser ist und allen Macken und Stolpersteinen ein Schnippchen schlagen kann. Genau deshalb beginnt man unermüdlich von vorne, wenn wieder einmal alle drei Leben ausgehaucht sind oder, in Ermangelung einer passenden Steinchenkombination (was natürlich nicht visuell angezeigt wird!), hilflos in der Zeitfalle steckt. Das möchte man nicht so einfach auf sich sitzen lassen.

Wenn du also ein Fell wie ein Dickhäuter hast, auf die Zähne beißen kannst und diese Art von Spiel magst, stell dich sich dieser Herausforderung. Alle Anderen sind bei den anderen, hier genannten Titeln und deren unzähligen Klone definitiv besser aufgehoben.

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POSITIV
- unverwüstliches Prinzip
- relativ günstig
NEGATIV
- öde Grafik
- Mini-Symbole
- kaum Strategien möglich
- kein Zeitbonus
- nur drei Leben
- Level manchmal unlösbar
- kein richtiges Spielende
- kein "Ziehen" der Steine möglich
35%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
schlecht
mittel
(n.v.)
fortgeschritten
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MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
G4 1,4 Ghz
512 MB RAM
64 MB Grafikkarte
1 GB Festplatte
Mac OS X 10.3.9
G5 1,6 Ghz
1024 MB RAM
64 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.4.11
G5 / Intel 1,8 Ghz
1536 MB RAM
64 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.4.11
Mac mini 1,83 GHz
Intel Core 2 Duo
4096 MB RAM
Intel GMA 950

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "The Legend of the Tolteks" bereit.