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X3 - Terran Conflict

Testbericht von Harald

Entwickler: EgoSoft
Herausgeber: Virtual Programming
System: Mac OS X*
Erschienen: Winter 2009 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Strategie / Wirtschaft
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 35-40 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 12 Jahren, Infos zur USK
Bereits zum zweiten Mal sucht X3 auf dem Mac seine Käufer. Nachdem der Titel vor geraumer Zeit aufgrund einer ungenügenden Cider-Portierung floppte, machten sich die Entwickler an eine Überarbeitung des Weltraumabenteuers. Und so kommt es, dass wir uns ganze vier Jahre nach der Erstveröffentlichung erneut in die unendlichen Weiten des Alls begeben. Ob das Weltraumepos aber überhaupt noch den Zeitgeist dieser Spielergeneration trifft?

Es beginnt

Um es gleich vorweg zu nehmen, X3 denkt gar nicht daran, aktuelle Trends zu bedienen. Zugänglichkeit oder gar behutsame Einführung sucht der orientierungslose Spieler hier vergebens. Bereits die Geschichte um den jungen Piloten Julian Brennan und dessen Vater sowie der tödlichen Verstrickung um die verhassten Khaak sagt allenfalls Kennern des Vorgängers etwas. Neueinsteiger haben leider Pech. Und genau so sperrig geht es weiter. Selbst die Flugschule lässt euch oft alleine. „Nehmen Sie Funkverbindung mit Ihrem Fluglehrer auf!“ schallt es da aus dem Lautsprecher. Aber wie? Wer entweder das Handbuch konsultiert oder nach dem „Try and Error“-Prinzip sein Glück versucht, entdeckt, dass die Verbindung mit der Taste C aufgenommen wird. Leider behindern solche Designfehler immer wieder den Zugang und ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel. Auch die sperrigen und unübersichtlichen Menüs passen da perfekt ins Bild. Wer sich trotzdem auf die Geschichte und die eigenwillige Annäherung einlässt, erfährt im Standardmodus den größten Spielspaß. Denn nur hier gewinnt die Story an epischer Tiefe und nur hier bietet sich der größte Handlungsfreiraum. Da könnt ihr euch genauso in klassischen Raumschlachten wie im Aufbau eines Händlerimperiums beweisen. Dabei bleibt es ganz und gar euch überlassen, ob ihr nun der Story folgt, oder lieber euer eigenes Ding durchzieht. Denn Abenteuer und Aufgaben warten in dieser scheinbar unendlichen Spielewelt zu genüge.

Unendliche Ödnis?

Ja, das Weltall ist groß. Die Entwickler haben alles getan, euch diese Tatsache bewusst zu machen und lassen euch den Großteil des Spiels in ereignislosen Passagen verhungern. Selbst die Zeitrafferfunktion kann den Leerlauf nur begrenzt auffangen. Das ist schade, denn das Weltall hat alles andere als Tristes zu bieten. Nicht nur die Grafikpracht mit seinen Pulsaren, Planetenkonstellationen und Spiralnebeln verwöhnt das Auge, auch die zahlreichen Händler, Piraten und Söldner beleben den Raum, dass es ein Vergnügen ist, dem Treiben zuzusehen. Leider geizt das Programm mit Informationen. So schickt uns ein Auftraggeber zu einem System, dessen Position sich uns erst nach langer Fragerei oder der zufälligen Entdeckung erschließt. Aber Geduld zahlt sich aus. Denn hartnäckige Spieler verdienen sich durch Aufträge genug Geld, um ihr Schiff mit einem Scanner oder dem leistungsfähigen SINZA-System auszustatten. Gerade letzteres verkürzt die Reisezeit entscheidend! Wo aber gibt es solche Aufrüst-Sets? Zwar finden sich Handelsstationen und Schiffswerke an vielen Stellen des Universums, doch führen diese lange nicht alle Waren. Also heißt es auch hier wieder suchen, suchen und wieder suchen.

Auch auf die Feuerkraft des Schiffes solltet ihr ein Auge haben. Denn selbst als friedfertiger Händler kann es euch passieren, dass ihr euch nach einem Sprung durch eines der systemverbindenden Sprungtore plötzlich vor einer übel gelaunten und gut bewaffneten Piratensippe befindet. Zum Glück lassen sich die Waffensysteme neuerdings zusammenschalten. Die Steuerung geht sowohl mit der Maus, als auch mit der Tastatur und dem Joystick gut von der Hand. Das Schiff folgt sensibel unseren Anweisungen und verfügt über einen fähigen Autopiloten. Wer sein Kommando allerdings ernst nimmt und die Möglichkeiten des Raumschiffs richtig ausschöpfen will, muss sich durch einen ganzen Berg von Tastenkombinationen kämpfen. Auch die Ingame-Hilfe bleibt da viele Antworten schuldig, zumal das Menü-Management und das HUD des Schiffes den Spieler eher abschreckt. Erst im Langzeitspiel eröffnen sich viele Möglichkeiten und dann auch oft nur durch Zufall. Wer es langsamer angehen möchte, darf sich übrigens im Simulator in einem Miniuniversum austoben und dabei die Steuerung verinnerlichen.

Das Weltall lässt mit sich handeln

Auch wenn es nicht offensichtlich ist, so hat X3 - Terran Conflict tatsächlich eine Menge zu bieten. Besonders das Handelssystem hat es mir angetan und sei euch, viel Freizeit vorausgesetzt, wärmstens empfohlen! So fing meine Händlerkarriere als Transporteur humanoider Fracht an. Bevor es soweit war, musste ich aber erst eine Station finden, welche mein Schiff mit einem großzügigen Lebenserhaltungssystem ausstattete. Kurz danach begann mein Transportunternehmen zu florieren.  Auch Waren wollen natürlich günstig eingekauft und mit Gewinn wieder verkauft werden. Wo aber bekommt man die günstigsten Einkaufspreise, wo die besten Verkaufspreise und wo sind diese Waren überhaupt erhältlich oder gefragt? Gibt es irgendwo Lieferengpässe, aus denen ich Kapital schlagen könnte? So begebe ich mich auf die Reise von Station zu Station, mache mir Notizen über die Warenwerte und schiele dabei auf meine Ladekapazitäten. Da vergehen schon einmal einige Stunden, bevor sich die Bemühungen in Bares verwandeln. Und der Lohn der Mühe? Erfolgreiche Händler kaufen weitere Schiffe und richten automatische Handelsrouten ein. Ein zugegeben langwieriges und mühseliges Geschäft.

Wer keine Lust auf das Händlerleben hat, darf sich auch als Attentäter oder Forscher versuchen. Allerdings spielen sich diese beiden Karrierewege verhältnismäßig unspektakulär. Dass der Titel gerade für Händler solch eine Langzeitmotivation bietet, ist auf die unglaublich dichte und glaubhafte Atmosphäre zurückzuführen. Allein die Größenverhältnisse wirken perfekt. Während wir um gigantische Planeten oder Raumstationen fliegen, wirkt unser Schiff wie ein Staubkorn. Überall starten und landen ganze Formationen, Raumtore sind stark frequentiert und der Funkverkehr wirkt lebendig, wenn auch die deutschen Sprecher distanziert wirken und selten überzeugen. Auch die Raumschlachten kommen dank hübscher Explosions- und Lasereffekte schön zur Geltung. Die Hintergrundmusik ist leider selten das Zuhören wert. Meist dudeln uninspirierte Synthesizermelodien vor sich hin. Gerade im Vergleich zu Eve Online fällt der Soundtrack gewaltig ab.

Mac in Fahrt?

Ein großes Fragezeichen stand hinter der Mac-Umsetzung. Doch hier kann ich Entwarnung geben. In den rund 50 Spielstunden testete ich mal mit der PC- und mal mit der Mac-Version. Denn viele Fehler sind Altlasten. Beispielsweise die abrupten Übergänge zwischen den einzelnen Musikstücken, die Clippingfehler und die manchmal flackernden Texturen nerven auch Windows-Spieler. Auch bei der Steuerung des Schiffes gibt es auf beiden Systemen manche Ungereimtheit. Doch im Großen und Ganzen wirken beide Versionen gleichwertig. Auffällige Performance-Unterschiede konnte ich keine feststellen und auch die Bildqualität ist nahezu gleich. Auch wirkte die Umsetzung erstaunlich stabil. In der Testphase erlebte ich nur einen Absturz.

Fazit

Das Spiel bleibt wie sein Vorgänger ein schwieriges Thema. Besonders die leichte Zugänglichkeit blieben die Entwickler wieder schuldig. Auch machen viele Designfehler dem Piloten das Leben unnötig schwer. Wer sich aber lange genug motivieren kann, erlebt eine packende Weltraumsimulation, die gerade durch ihre Atmosphäre, ihren Tiefgang und ihre gelungene Portierung zum Langzeitspielspaß wird, und derzeit auf dem Mac in diesem Umfang konkurrenzlos ist.

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POSITIV
- dichte Atmosphäre
- viel Handlungsspielraum
- große Langzeitmotivation
NEGATIV
- unnötig sperriger Zugang
- unmotivierte Sprecher
- viel Leerlauf
74%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
sehr gut
mittel
(n.v.)
fortgeschritten
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MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
Intel Core
2 Ghz
1024 MB RAM
ab Radeon X1600
oder GeForce 8600
Mac OS X 10.5.7
Intel Core 2 Duo
2,4 Ghz
2048 MB RAM
256 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5.8
Intel Core 2 Duo
2,8 Ghz
4096 MB RAM
512 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5.8
MacBook Pro
2 Ghz
2048 MB RAM
Radeon X1600
Mac OS X 10.5.8

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "X3 - Terran Conflict" bereit.